Es vorwegzunehmen, auch dieser Artikel von Frau Rushton spiegelt die veröffentlichten Meinungen, im Verhältnis des Westens zu Russland wider, also ist sie mit ihren Gedanken nur symptomatisch für diesen Geist und sei hier näher untersucht. Zusammengefasst lautet diese so, Russland wird zunehmend aggressiver; die NATO-Länder allein haben ein Recht zu befinden wer in die NATO gehört; Russland wird nicht von der NATO umzingelt, die NATO ist ein defensives Bündnis, sie führt keine Kriege; der Westen hat Russland einzuhegen.

Bevor ich auf die Beziehungskrise zwischen dem Westen und Russland zusprechen komme und den oben aufgeführte Artikel behandle, sei folgendes angemerkt.Ein Beziehungsanalytiker würde einem Paar, was nur noch das Trennende, Hässliche, Abstoßende und Negative beim anderen sieht raten, auch das Gute beim anderen zu sehen, um letztendlich zu den Beweggründen für das Ablehnens werte dieser Handlung vorzudringen, Das nennt man Beziehungsarbeit, natürlich nur dann, wenn beide Seiten wirklich wieder zusammenkommen wollen.

Will das der Westen wirklich, oder stimmt er sich auf eine Trennung, den 2. Eisernen Vorhang ein und bereitet sich somit auf eine maximale Konfrontation mit Russland vor, bei Inkaufnahme eines zufällig ausbrechenden Krieges? Wird deswegen derzeit nur noch das Trennende gesucht und lautstark benannt, um eine Kriegsatmosphäre zu schüren. Ist das bereits Kriegstreiberei?

Im Artikel von Frau Rushton führt sie Besorgnisse Russlands auf, das ist gut so! Doch leider macht sie sich nicht die Mühe zu verstehen, warum Präsident Putin den Aufmarsch seiner Truppen an der ukrainischen Grenze organisiert und noch viel weniger, wie aus der Situation herauszukommen ist, wobei sie sich der Ratschläge politischer Berater, wie Frau Sabine Fischer als Osteuropa-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik bedient.
Mit dem folgenden Zitat zeigt Frau Rushton unseriöses Herangehen:
„…Versucht er (Präsident Putin gemeint, der Autor) bei der aktuellen Truppenaufstockung, seine Muskeln spielen zu lassen? Offenbar schon, denn wie die Aufstockung von April zeigt, gilt dies für Putin als eine wirksame Methode, um eine Audienz bei denjenigen führenden Politikern zu erlangen, bei denen er im Namen der russischen Selbstverteidigung seine Forderungen stellen kann…“
Sie unterstellen damit der russischen Führung einen Kriegsausbruch zwischen der Ukraine und Russland voranzutreiben, um Anerkennung zu erlangen? Die russische Führung lebt somit einen Minderwertigkeitskomplex aus? Solch eine Argumentation ist unseriös!

Andererseits möchte ich an diesem Artikel positiv hervorheben, dass sie an mehreren Stellen indirekt das Problem Russlands zeigt, was Russland mit einem NATO-Beitritt der Ukraine hat, auch wenn sie sich scheinbar nicht traut das selbst auszusprechen:
„..Von den insgesamt 14 Ländern, mit denen Russland, das nach Landmasse größte Land der Welt, eine Landgrenze teilt, sind aktuell fünf – Norwegen, Estland, Lettland, Litauen und Polen – Nato-Mitglieder. Momentan teilt Russland also 1261 Kilometer seiner 20.241 Kilometer langen Gesamtlandgrenze mit Nato-Ländern – aber im Falle eines Beitritts der Ukraine zur Nato würde sich diese auf 3354 Kilometermehr als verdoppeln.“

Leider geht sie an dieser Stelle nicht in die Tiefe, um das Problem Russlands mit einem NATO-Beitritt der Ukraine zu erfassen. Sie erwartet vom Leser die Angst Russlands aus der verdoppelten Grenzlänge, der um das Sechsfache größeren Packungsdichte an Raketen, als es in der Kubakrise möglich war, selbst abzuleiten. Schade, Wissenschaft zeichnet sich in der Klarheit der Aussage aus und nicht durch Andeutungen.

Um das zu korrigieren und die heutige Angst Russlands klarzumachen, benutze ich dazu ein historisches Beispiel – die Kuba-Krise von 1962. Da war es fast genauso wie heute, nur andersrum. Die USA sahen sich mit der Aufstellung sowjetischer gegen die USA gerichteter Atomraketen in ihrer Existenz bedroht und ebenso durch Fidel Castro als Führer Kubas, der Atomwaffenschläge gegen die USA befürwortete.
Die Flugzeit einer Rakete von Kuba bis Washington betrug damals ca. 6 Minuten.

Mit der Seeblockade um Kuba suchten die USA weitere Atomraketen auf Kuba zu verhindern und damit begann auch eine Kommunikation mit der Sowjetunion (heute Russland). Dieser Schritt der USA hatte wahrlich nichts mit einer nach Aufmerksamkeit heischenden Aktivität zu tun. Beide Länder hatten, ob des tiefen Misstrauens zwischen ihnen den Punkt erreicht, nicht mehr direkt miteinander zu sprechen. Die Gefahr war aber für die USA mit den noch auf Kuba existierenden Atomwaffen nicht gebannt, zumal der damalige Führer Kubas Fidel Castro sich für Kernwaffenschläge gegen die USA gegenüber der sowjetischen Führung aussprach.
Somit stand für die US-Administration eine Invasion auf Kuba auf der Tagesordnung, um die dort befindlichen Raketen zu vernichten. Für die USA war die Vernichtung der Atomraketen in Kuba alternativlos, denn sie wollten nicht mit der Gefahr eines Erstschlages innerhalb von 6 Minuten leben müssen! Das, so denke ich, sieht die russische Führung heute genauso!

Wie ist die Sachlage für Russland heute, also andersrum, als in der Kubakrise:

  • Mit dem militärischen Zusammenwirken zwischen der NATO und der Ukraine würde sich die gemeinsame Grenze zwischen NATO und Russland verdoppeln.
  • Im Vergleich mit Kuba entstünde mit der Ukraine zusätzlich eine um das Sechsfache größeren Packungsdichte an Raketen.
  • In der Ukraine sind noch keine NATO-Atomwaffen durch russische Satelliten gesichtet worden.
  • die Flugzeit von Atomraketen im Fall des atomaren Erstschlages gegen Russland beträgt 2 Minuten.
  • der ukrainische Präsident Selenskij drängt in die NATO und in der NATO hat er mächtige globalstrategische Führsprecher
    „… Während der Krise (die Krise im April 2021 gemeint, der Autor) rief der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskij den Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an, um für sein Land eine Beschleunigung der Nato-Aufnahme zu erreichen.“

Während Frau Rushton in ihrem Artikel wohltuend die Ängste der Russen gegenüber einem NATO-Beitritt der Ukraine dem gebildeten Leser ermöglicht sich erschließen zu können, trägt die politischen Ratgeberin gar nichts, als etwas wissenschaftlich zu bezeichnendes zur Problemlösung bei.
Trotz allem wird die aktuelle Situation nicht weniger gefährlich. Ganz im Gegenteil, so Sabine Fischer, Osteuropa-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. „Putin kann selbst hinter seine roten Linien nicht zurück,“ sagt sie. „Das macht die Situation tatsächlich gefährlich, denn auch wenn es jetzt keinen konkreten Plan gibt, in den nächsten Monaten in die Ostukraine einzumarschieren, kann die Situation trotzdem irgendwann einfach eskalieren.“
Diese Schlussfolgerung unterstellt leichtfertiges Handeln in der russischen Führung, also je nachdem wie uns ist, setzen wir rote Linien. Das ist rhetorischer Ballast! Natürlich kann der Chef des Kremls nicht hinter diese Linie zurück, denn er kommuniziert gerade so mit dem Westen. Als Präsident Kennedy 1962 die Seeblockade über Kuba verkündete und er so mit der Sowjetunion begann zu kommunizieren, war das nicht leichtfertiges Gelaber, sondern ihm war bewusst, ist die Blockade nicht erfolgreich, so bleibt ihm nur die Invasion Kubas! Also hinter die Aufhebung der „roten Linie – Seeblockade“ konnte Präsident Kennedy auch nicht zurück.

Es ist davon auszugehen, dass solche Optionen, wie eine Invasion im Stationierungsfall von NATO-Atomraketen in der Ukraine auch in der Führung Russlands auf dem Tisch liegen, auch wenn sie Frau Sabine Fischer noch nicht unterbreitet wurden. Allerdings US-Präsident Biden weiß da wohl näheres, er ließ die Welt wissen, dass im Januar 2022 eine Invasion der Ukraine durch Russland zu erwarten ist. Bleiben wir bei dem Gleichnis mit der Kuba-Krise 1962. Hat die Welt davon auszugehen, dass im Januar 2022 die ersten Atomraketen der USA in der Ukraine stationiert werden sollen? Wenn dem so wäre, so würden sich die Bilder von 1962 wiederholen! Für Russland, wie seinerzeit in der Kubakrise für die USA, wäre die Invasion der Ukraine das Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Natürlich kann ich nicht erwarten, dass andere Politologen meinen Ansatz von der Vergleichbarkeit der Kubakrise 1962 und der Ukrainekrise 1962 teilen. Aber nach diesem Ansatz so denke ich, kann die Ukraine Krise besser kalkuliert und eine Lösung gefunden werden, weil sie die Befindlichkeit der agierenden beachtet und nicht ideologisch vom Tisch wischt.

„Nicht nur Deutschland, sondern wirklich die EU, die Nato, die USA, müssen sich sehr eng untereinander koordinieren und sehr deutliche Botschaften senden“, sagt Frau Fischer.
Den jetzt gewonnenen Erkenntniszuwachs sei dem geneigten Leser anheimgestellt zu bewerten. Ich tue es nicht!

Wie sehen Frau Fischer und Frau Rushton die Lösung des Ukrainekonfliktes?
„Das gilt vor allem im Hinblick auf Sanktionen (das abgestimmte und koordinierte Verhalten von EU, USA und NATO ist damit gemeint, der Autor) denn diese müssen die weitere Eskalation für Russland so kostspielig wie möglichmachen.“ (Meinung von Frau Fischer)
„Vor allem für Deutschland müsse auch Nord Stream 2 dabei diskutiert werden – und mit einer neuen Bundesregierung könne der Status des Projektes als politisches Instrument auch wieder in den Vordergrund gestellt werden, so Fischer.“

Die hier dargestellte Lösung ist kriegstreibend. Sie bricht einerseits die noch wenigen bestehenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Russland dank ihrer Sanktionen ab. Sie lässt keine Absicht erkennen die Befindlichkeiten Russlands zu erkennen und setzt nur auf maximale Härte zur Durchsetzung der eigenen Globalpolitik – die darauf zielt, die Ukraine um jeden Preis in die NATO zu bekommen. Damit nährt die NATO selbst Russlands Angst, die es seit 1992 hat, von der NATO umzingelt zu werden.

Der Glaube nach einer Invasion Russlands in der Ukraine, um die gegen Russland gerichteten Waffensysteme zu vernichten, hätte nur einen hohen Preis für Russland, der irrt! Nach diesem Tag ist nichts mehr kalkulierbar und wirtschaftliche wie monetäre Probleme, die Russland bekommen könnten, wären das kleinste Problem der so belasteten Welt. Das Unkalkulierbare beginnt ab da zu galoppieren!

Denn:

  • die ukrainische Führung würde das ihr Mögliche tun, um die USA in den Waffengang mit Russland zu kriegen, den Bündnisfall für die NATO zu provozieren.
  • da die USA und Russland dann sehr mit sich selbst beschäftigt sind, werden andere Konflikt nach einer militärischen Lösung drängen
    • der Konflikt Iran – Israel
    • der Konflikt Taiwan – China
    • der Konflikt USA – China bricht vollends auf

Somit wäre die Welt vollends aus den Fugen geraten. Man spricht wohl von Weltkrieg, wenn alle nach kriegerischen Lösungen trachten.

Nur die ideologischen Eiferer in der „Partei der Grünen“ können zufrieden sein, sie hätten das Ziel die Erderwärmung aufzuhalten erreicht. Ist genügend Asche in der Luft, die jedwede Sonneneinstrahlung für Jahre ausschließt, so kühlt sich die durchschnittliche Temperatur auf der Erde ab, mindestens um 1,5 Grad, denn der nukleare Winter hätte Einzug gehalten!

Published by Carsten Bluck

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