Schon Konrad Adenauer sagte vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 14.6.1952:
„Rußland war immer beherrscht vom Panslawismus und Expansionsdrang. Dazu kommt die Überzeugung, die in den Herzen der Machthaber so fest wurzelt – wie nur in der Brust des frömmsten Christen der Glaube -, daß die kapitalistischen Staaten am Verwesen und Auseinanderfallen sind und daß der Kommunismus die neue Religion ist, die materialistische Religion, die die Welt beherrscht. Von diesem Standpunkt aus ist die Unterjochung der Satellitenstaaten erfolgt, um sich neue Kräfte zuzuführen und damit weitere Schritte zum Endziel zu tun, zur Unterwerfung ganz Europas. Und das, meine Damen und Herren, ist ja das Ziel Sowjetrußlands.“

Wer da nun glaubt, dass mit der Einheit Deutschlands sich in diesem Punkt etwas veränderte, der irrt! Im wiedervereinigten Deutschland wurde zwar die Sichtweise der DDR überwunden, also negiert, aber die Sichtweise der früheren BRD wurde im neuen Deutschland fest verankert. Die alten, neuen Politiker, Journalisten und Politikberater an den Schaltstellen des politischen Lebens waren unfähig sich selbst in Frage zu stellen, sich zu negieren. Sie erlagen ihrer Selbstgefälligkeit. Sie verwundert nur der sozialisierte Ossi oder der, der dessen Sozialisation als Erbe annahm, mit seiner etwas nicht so westlichen Sicht auf Russland.
Also in diesem Punkt, einer geänderten Sicht auf Russland fand keine Entwicklung in Deutschland statt, so wie ich Hegel, Engels und Marx verstanden habe. Der Russe ist weiterhin an Allem schuld. Schlimmer noch, in den letzten Jahren schafften sie es, die, die den Mainstream in der Meinungsbildung wesentlich beeinflussen können, selbst den einfachen Bürger dazu zu bewegen, bevor er auch nur etwas Positives zu Russland zu sagen wagt, wie zum „Sputnik V“ – Impfstoff, beginnt er immer seine Argumente mit einem „Balkon“ wie dem:  „Um es klar zu sagen, ich bin wahrlich kein Freund Putins“. Diese Atmosphäre ist erschreckend und verräterisch, weil nicht nur weit von einer wissenschaftlichen Debatte entfernt, sondern ist Selbstkasteiung, selbst auferlegter Verzicht auf Meinungsfreiheit. Diese Atmosphäre hat mit den Werten einer Demokratie nichts mehr gemein, sondern ist die gemeine Ermächtigung zur Verwirklichung seiner Meinungshoheit.

Deutschland hätte bei der Umsetzung der Einheit, bei einer ausgeführten Negation der Negation wirklich zu einem Partner werden können, den Europa heute in der Auseinandersetzung mit Russland brauchen könnten, aber so? Die alten Ideen, das alte Gebaren gegenüber Russland, wie zu Zeiten Konrad Adenauers, es herrscht eine, alles, das Neue behindernde Selbstherrlichkeit!

Doch nun zur Ukraine. Auch die deutschen Globalstrategen schlossen sich der US -Sichtweise an, hat Russland die Ukraine verloren, braucht man sich über einen Wiederaufstieg Russlands zur Supermacht keine Gedanken mehr zu machen, denn mit dem Verlust der Ukraine ist es nur noch eine Regionalmacht. Und so war man dann auch dankbar für die revolutionären Aktivitäten am Maidan in Kiew zum Jahreswechsel 2013/2014. Doch das Infantile beim Wirken dieser Globalstrategen ist dies, sie ignorierten wieder einmal die Geschichte der Revolutionen, besonders den Part gescheiterter Revolutionen.
Die Französische Revolution gewann nicht nur alle Bürger Frankreichs für ihre Ideen, sie war sogar so stark, ob der Motivationskraft dieser Revolution, sich gegen die äußeren Feinde dieser Revolution wehren zu können. Und nun fragt man sich, was war mit der Maidan-Revolution? Sie erreichte mit ihren Ideen nicht alle Menschen in der Ukraine, sie bleib einfach stecken und versandete. Dazu kam noch, dass der Westen mit seinen Handlungen ihr jede Notwendigkeit nahm, sich selbst vorantreiben zu können, sich selbst schützen zu müssen! So kam es, die Menschen im Osten wandten sich von denen in der Westukraine ab. Doch diese Entwicklung einer Revolution, die sich nicht durchsetzen konnte und wohl auch sich nicht selbst zu verteidigen weiß, ließ nicht bei den oben benannten Globalstrategen die Alarmlampen aufleuchten, im Gegenteil, sehenden Auges, wohl aus dem Grund die Regionalmacht Russland zu erträumen, jagten sie die Ukraine mit in einen Bruder- und Bürgerkrieg!
Bei solch einer Gemengelage, einer versandeten Revolution, einer Revolution die stecken geblieben ist im Erreichen aller Menschen in der Ukraine zu erwarten, dass Russland seine globalen Interessenspiele nicht spielt, ist schlichtweg naiv zu glauben. Ja, auch Russland nahm und nimmt Einfluss auf die Geschehnisse in der Ukraine, wie es schon EU-Kommissar Barroso beginnend für die EU tat.

Die nun entstandenen Probleme dieser gescheiterten Revolution wurden seitens der EU, bei wesentlicher deutscher Federführung, gemäß dem Satz einer rheinischen Frohnatur, und „Et hätt schon immer jot jejange“, einfach eingefroren. Man fror den Bruderkrieg diplomatisch ein, in der Hoffnung, Gefriergut entwickelt sich zum Positiven weiter.
Doch solche Probleme sind kein Gefriergut, bei Nichtbeachtung, entwickeln sie für gewöhnlich ein ungewolltes Eigenleben und so geschah es auch. Es entstanden Fakten, die allein einzeln schon kompliziert sind und umso mehr, in der heutigen Wechselwirkung mit anderen Geschehnissen so komplex geworden sind, da wird ein erneutes Einfrieren nicht mehr helfen können.

Und somit ist die Lage die, der zum Panslawismus und zur Unterwerfung Europas neigende Russe, ist nicht mehr und wir reden von einer NATO-Werdung Osteuropas seit 1990, dieser Russe ist nicht mehr gewillt noch mehr NATO-Truppen an seinen Grenzen zu akzeptieren und schon gar nicht die Möglichkeit einer Stationierung von US-Atomraketen, die nur noch 2 Minuten Flugzeit benötigenden, bevor sie Moskau pulverisieren können. Zum Vergleich, die Bedrohung der USA durch sowjetische Atomraketen 1962 währte ein halbes Jahr, bevor es den USA unerträglich wurde und die Kubakrise akut war.
Doch der Russe in seinem höchst aggressiven Gebaren, wagt es nun heute zu sagen: „Genug ist genug, genug der Einkreisung Russlands durch NATO-Verbände“. 1962 riskierten die USA zur Bereinigung ihrer Bedrohung durch die Sowjetunion einen atomaren Konflikt. Für beide Seiten war es in den Tagen im Oktober real, möglich geworden, das Aufgehen der Sonne nicht mehr zu erleben!
Russland sieht sich zunehmend und das seit über 30 Jahren in die Enge getrieben, mit Sanktionen überzogen, aber dies vor allem, von NATO-Verbänden eingekreist, dass es heute den gleichen Lösungsansatz wie ihn 1962 die USA suchten, auch wählen wird. Russland wird dem Westen die Realität, den nächsten Tag nicht mehr erleben zu können, vor Augen führen! Damit ist das Wirken jedweder Diplomatie ausgesetzt, Politik fort zu setzen wird nun mit dem Mittel möglich, was im 21. Jahrhundert keiner mehr für durchsetzbar glaubte.

Wenn wir Glück haben, so wie 1962, wird nach entsprechenden russischen Handlungen auf beiden Seiten Bereitschaft zum Einlenken gewachsen sein, was bedeuten könnte:

  1. Russland verpflichtest sich dauerhaft auf eine Annexion der Ukraine zu verzichten und auch darauf, die Gebiete in der Ost-Ukraine nicht zu besetzen.
  2. Die Waffen auf der Krim werden wieder zurückgezogen.
  3. Der Westen akzeptiert das Scheitern der Revolution in der Ostukraine und stimmt der Bildung einer eigenen von der Ukraine unabhängigen Verwaltung / der Bildung eines eigenen Staates in der Ostukraine zu, mit der Freiheit, dass dieses völkerrechtliche Gebilde frei ist mit wem es sich assoziiert, solange dies sich nicht gegen die Ukraine oder Russland richtet.
  4. Der Westen bzw. die Ukraine verpflichten sich keine Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO umzusetzen bzw. NATO-Truppen / Waffen auf dem Territorium der Ukraine zu stationieren.

Dann und nur dann, wenn es so wie 1962 verbindliche Vereinbarungen zwischen dem Westen und Russland gibt, setzt Russland all seine Aktivitäten außer Kraft, die zu einer derartigen direkten militärischen Konfrontation führten und entwickelt zusammen mit dem Westen, die Region stabilisierende Maßnahmen.
Wie gesagt, auch Russland kann militärisch handeln, so wie seinerzeit die USA in der Kubakrise 1962 der Sowjetunion das Erreichen ihrer Schmerzgrenze militärisch deutlich gemacht hat und man kann überzeugt sein, Russland wird es auch tun, eine Neuauflage der Kubakrise scheint unausweichlich!

Donald Trump wusste um den Verlust der USA als Supermacht, weswegen er sagte „make America great again“. Doch die Präsidentschaft von Herrn Biden träumt immer noch den hochgefährlichen Traum der Clintons, Bushs und Obamas von den USA als einzig verbliebener Supermacht.

Abschließend sei gesagt, wir sind nicht mehr im Jahr 1990!
Der Klimawandel beginnt jetzt und die Gefährdung unserer Existenz wird über einen längeren Zeitraum gehen, die menschliche Unfähigkeit miteinander in friedlicher Koexistenz auszukommen, sich wandeln zu können, kann die Existenzgefährdung schon in den nächsten drei Monaten bewirken. Nur es wird dann nicht wärmer, es käme der atomare Winter!

Published by Carsten Bluck

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