Obwohl ich nie mit ihr zusammenarbeitete, kann ich es gut nachvollziehen wie es ist, wenn man vom wissenschaftlich technischen Fortschritt abgeschnitten wurde. Frau Dr. Merkel hat es erfahren, was es heißt, nicht mit der Technik arbeiten zu können, mit der andere Wissenschaftlerkollegen arbeiten konnten, um zu exzellenten wissenschaftlichen Ergebnissen zu gelangen. Sie hat mit Sicherheit erfahren, was das US- Embargo gegen wissenschaftliche Einrichtungen in der DDR bedeutete, denn im Zentralinstitut für Physikalische Chemie (ZIPC) in Berlin-Adlershof, wo sie von 1978 – 1989 arbeitetet, wurde nicht im Sandkasten gespielt. Wer zum „Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden“ promovierte, wie Frau Dr. Merkel, brauchte mit Sicherheit wissenschaftlich technisches Gerät vom Feinsten und das kam nun mal zu der Zeit nicht aus den sozialistischen Staaten, es stand auf der Embargoliste der USA und es wäre gut gewesen, wenn man als Wissenschaftler darüber verfügt hätte.

Obwohl ich niemals mit Herrn Norbert Röttgen zusammenarbeitet, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er niemals die Erfahrung machte vom wissenschaftlich technischen Fortschritt abgeschnitten zu sein, und was er auch mit Sicherheit niemals wird, denn wenn er das erfahren hätte oder würde, dann nur deswegen, weil seine Mandanten kein Geld mehr haben, um seine Rechnungen zu bezahlen.

Frau Dr. Merkel muss sich also heute vehement gegen den Ausschluss von Huawei bei der Auftragsvergabe zum 5G Netz wehren, ist dieses Unternehmen doch ein aufstrebendes und zukunftsträchtiges Unternehmen bei der Entwicklung von Wissenschaft und Technik in der Welt, damit entspricht sie ihrer eigenen Erfahrung zu wissen was es heißt, vom wissenschaftlich technischen Fortschritt abgeschnitten zu sein. Andernfalls würde sie es heute zu verantworten haben, Generationen junger Wissenschaftler aus ideologischen Gründen, so wie damals bei ihr, vom wissenschaftlich technischen Fortschritt auszuschließen.

So viel Physiker ist wohl noch in ihr übrig geblieben, bei aller Treiberei an Politik.

Im Gegensatz dazu, Herrn Norbert Röttgen reicht wohl die Ideologie getriebene Aussage/Vorhersage zur Entwicklung Chinas und Russlands des Politologen und Wissenschaftlers Zbigniew Brzeszinski dazu völlig aus, der da ca. 1996 schrieb: „…und sie ( er meint Russland und China, der Autor) den Vereinigten Staaten technologisch weit hinterherhinken, fehlen ihnen schlicht und einfach die Mittel, weltweit politischen Einfluss auszuüben. Kurz, Amerika steht in den vier entscheidenden Domänen globaler Macht unangefochten da: seine weltweite Militärpräsenz hat nicht ihresgleichen, wirtschaftlich gesehen bleibt es die Lokomotive weltweiten Wachstums…“ und weiter lesen wir, “ es hält seinen technologischen Vorsprung in den bahnbrechenden Innovationsbereichen, und seine Kultur findet trotz einiger Missgriffe nach wie vor weltweit, vor allem bei der Jugend, unübertroffen Anklang. All das verleiht den Vereinigten Staaten von Amerika eine politische Schlagkraft, mit der es kein anderer Staat auch nur annähernd aufnehmen könnte.“ 1)

Wegen ihres erlernten Berufes mag Frau Dr. Merkel wohl nicht so anfällig sein vom Besoffen werden von sich selbst. Aber Gnade uns Gott, wenn Entscheidungsträger völlig an der Realität und nur auf Wunschträume aufbauend, uns vom wissenschaftlich technischen Fortschritt abschneiden werden, weil er gegen alle „wissenschaftlichen“ Vorhersage oder besser gesagt, Glaubensbekenntnisse, doch aus China kommen könnte!

Nun ist das Thema Zulassung von Huawei am Ausbau des deutschen 5G Netzes teilnehmen zu lassen sehr delikat, steht es doch dafür, dass man von einer fremden Macht ausspioniert werden kann, die für ein System steht, welches seine eigene Bevölkerung zu 100 Prozent kontrollieren will, also völlig konträr zum Selbstverständnis des Westens ist. Aber es steht auch dafür, dass China in Punkt Hightech aus meiner Sicht erstmalig etwas hat, was Deutschland für sich nutzen möchte!  Unterstellt man, China entwickelt sich so rasant in Punkto Hightech weiter wie bisher und dafür spricht schon alleine die in 40 Jahren hingelegte Entwicklung Chinas vom Entwicklungsland zur 2. stärksten Wirtschaftsnation auf dem Globus, die dabei auch noch in der Lage war ca. 700 Millionen seiner eigenen Menschen aus tiefer Armut geführt zu haben, was mehr Menschen sind, als die, die heute in der EU leben, dann eröffnet sich allerdings diese fundamentale Frage: „Wie ist mit Hightech umzugehen, die nicht aus dem westlichen Staatenbund kommt, allerdings der westlichen Technik um vieles überlegen ist? Und dieser Fall ist dann wirklich neu in der globalpolitischen Betrachtungs- bzw. Handlungsweise des Westens, würde er doch einen Paradigmenwechsel in der westlichen Politik erzwingen. Natürlich werden jetzt die Ideologen von ihren Berufswegen Herrn Brzeszinski bemühen und alles so sehen, dass China niemals über solch einen Vorsprung verfügen wird, die Realität so lange verdrängen, bis Gorbatschows Erkenntnis gilt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“

Heute ist es immer noch ein leichtes vom immerwährenden Vorsprung des Westens auszugehen, denn es gibt noch einen. Aber was, wenn das nicht mehr gilt? Wer zahlt die Rechnung, wenn wir wissenschaftlich technisch ins Hintertreffen geraten, weil wir uns ideologisch gewollt verweigerten, an der Festlegung von sehr komplizierten und komplexen Regeln in der wissenschaftlich technischen Zusammenarbeit zwischen uns und China sowie anderen, die die Werte des Westens nicht teilen, mit zu wirken? Gemeinsam wären verbindliche Regeln zu schaffen, die eine wissenschaftlich technische Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen unter Ausschluss der Verletzung von Sicherheitsinteressen der Beteiligten bewirken!

Herr Röttgen kann diese Rechnung wohl eher nicht zahlen! Die Rechnung zur Verarmung deutscher Bürger, die Verletzung ihrer Würde, weil sie über keine ihr Leben sichernde Arbeit mehr verfügen werden und weil der Staat über keine Mittel mehr verfügt, sie alimentieren zu können!

Aber vielleicht hat das doch auch einen gewissen Reiz zu sehen, wie Herr Röttgens oder ich uns das Handtuch um den Bauch gebunden haben, um die Pauschaltouristen Chinas bei uns in Bonner oder Berliner Restaurants mit Rheinischem Wein oder mit Berliner Kindle zu bewirten, denn zu mehr reicht es dann wohl nicht mehr mit Made in Germany/Europa.

„Es ist mir egal, ob die Katze weiß oder schwarz ist, Hauptsache ist, sie fängt Mäuse.“ Dieser Spruch des Chinesen Deng Xiaoping war sehr pragmatisch und wenig ideologisch gesetzt, aber er leitete in China vor 40 Jahren die große Wende ein. Zu wünschen ist Frau Dr. Merkel den gleichen Erfolg bringenden Pragmatismus an den Tag zu legen, um die große Wende in der wissenschaftlich technischen Zusammenarbeit zwischen Ländern festzulegen, die in ihrer Staatsräson völlig gegensätzlich sind, wobei weder die eine noch die andere Seite vom wissenschaftlich technischen Fortschritt ausgeschlossen werden kann, aber die friedliche Koexistenz dieses neuen Typs nicht erst beim Zählen der todbringenden Waffen beginnt sondern schon beim Entstehen von wissenschaftlich technischen Erkenntnissen. Diese Regeln der wissenschaftlich technischen Zusammenarbeit wären auf Dauer, unverletzbar sowie unverrückbar festzuschreiben. Das wäre aber ein Zukunft verheißender Gegenentwurf zu einer Globalpolitik die da heißt: „Entweder die oder wir!“

Quelle:
1)
S 44 ff , Zbigniew Brzezinski „DIE EINZIGE WELTMACHT – Amerikas Strategie der Vorherrschaft“; 4. Auflage: Oktober 2000; Veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, Mai 1999

Published by Carsten Bluck

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Translate »