In der öffentlichen Debatte existiert eine Lage, wo selbst gewollt, gleichgeschaltetes Reden Pflicht wurde und wo Dämonisieren dazu gehört.

Nach der weitverbreiteten Meinung des Westens stehen wir vor einem Krieg, den die Russen in der Ukraine morgen oder übermorgen vom Zaun brechen werden! Aber was, wenn all diese Analysten, was sie da mit einem Aufmarschgebiet für einen Krieg interpretieren, sich geirrt hätten, dieser Aufmarsch sich nur als ein Mittel der Kommunikation darstellt?

Jahrelang wurde das Gefühl der Russen sich bedroht zu sehen, vom Westen ignoriert, denn Regionalmächte kann man ja ignorieren. Aber nun, wo der Westen selbst in die Bedrohung kommt, muss sich der geneigte Leser sowie Zuhörer in den privaten und öffentlichen Medien anhören, Präsident Putin macht das alles nur, um respektiert zu werden. Seit wann ist Globalpolitik eine Therapiestunde zum Abbau von Minderwertigkeitskomplexen?

Aber jetzt wurde Russland gehört. Und was macht der Westen? In alter Manier und immer noch im Glauben mit Russland, die bereits im Bunde mit China sind, denkt man immer noch eine Regionalmacht vor sich zu haben. Er schickt gehörlose Emissäre nach Moskau, die Mantra artig ihre Weisungen geben, wie Russland zu deeskalieren hat. Das Problem der Beseitigung einer Bedrohungslage für Russland wird zwar nicht gelöst. Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben, Sorry, das ist Kindergarten!

Von Politikern, Politikberatern und Journalisten, darf man Geschichtswissen erwarten.

1962, die Kubakrise. Die USA kommunizierten die für sie unerträgliche Bedrohungslage der USA durch sowjetische Atomraketen auf Kuba mittels eines militärischen Manövers, die Seeblockade, freundlicher Quarantäne genannt. Die oben benannte Elite des Westens sollte wissen, was eine Bedrohungslage ist und wie weit die USA gegangen wären, wenn nicht die Vernunft auf beiden Seiten gesiegt hätte. Aber was ist die Vernunft gegen die Ideologie, gegen unrealistische, eigene globalpolitische Träumereien?

Entgegen, aller monotoner Beschwörungen sei nun unterstellt, die Invasion kommt nicht. Wie geht es dann weiter? Der militärische Aufmarsch wurde bis zum Ende der Woche beendet. Russland aber auch China haben das Trauma des Westens zur Kenntnis genommen, für sie senkt sich der Eiserne Vorhang, die Welt geht wieder in Blöcke auf. Beide wenden sich ab vom Westen, sind sich selbst genug in gegenseitiger Entwicklung und der Entwicklung Afrikas, aber auch entlang der Neuen Seidenstraße.

Deutschland steht jetzt als unzuverlässiger Geschäftspartner da, wie schon im Konflikt um das Atomprogramm des Irans. Geschäfte mit Deutschland sind unsicher, weil über die Ausführung von Geschäften kann Deutschland nicht souverän entscheiden. Das letzte Wort fällt in den USA, was uns die zur Monotonie herangewachsenen Beschwörungen der letzten Tage zeigt.

Die Krux mit der werteorientierten Außenpolitik ist die, man verliert mit ihr viel Geld und kann sich diese nicht leisten, wenn man über selbiges nicht verfügt. Mit der Politik der friedlichen Koexistenz war man im letzten Jahrhundert realistischer, verdiente auch Geld. Aber na ja, das war ja damals und die nach der Kubakrise das Glück hatten doch geboren zu werden, haben nun die Chance alles noch einmal, so wie damals, durchleben zu müssen, wenn die Vernunft nicht davor ist!

Der Westen hat ein Trauma, er ist nicht mehr die einzig verbliebene Supermacht und je schneller er lernt die Gestaltung der Welt zu teilen, desto sicherer dürfte sie werden und das geht auch mit entgegengesetzten politischen Systemen. Aber wer die Demokratie zur Religion erhebt, für die es zu Missionieren gilt – werteorientierte Außenpolitik – wer einen Kampf gegen jene führt – Präsident Bidens globales Bündnis der Demokratien gegen die Autokraten – obwohl deren Völker die Autokraten bevorzugen, diese Menschen gar nicht vom Westen befreit werden wollen, der begibt sich in einen Endkampf, aus dem man nicht einfach weglaufen kann, wie aus Afghanistan!

Published by Carsten Bluck

2 Comments

  1. Sehr geehrter Herr Bluck,
    schön, dass sie wenigstens den Unsinn, den sie vor dem Krieg hier veröffentlicht haben, stehen lassen. Tja, da haben Sie sich wohl geirrt.
    Wie man einen Staat, der zuerst mal einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung (Zensur, massive Verfolgung Oppositioneller, massive Einschränkung der Grundrechte wie das Demonstrationsrecht usw…) noch verteidigen kann, ich verstehe das nicht.
    Vor dem letzten Angriff der Russen auf die Ukraine am 24. Februar waren noch 40% der Deutschen der Meinung, wir müßten die russischen Sicherheitsbedenken respektieren.
    Also, als gebürtiger „Insulaner“ (Berlin-West) muß ich auch heute meine Meinung über Russland nicht ändern, sie wird gerade wieder bestätigt, leider.
    Gruß
    Torsten

    Antworten
    • Hallo Torsten,

      ich danke Ihnen für die hier dargestellte Meinung. Wenn Sie aber wirklich mit mir in einen Dialog treten wollen, so gilt bei mir Argument gegen Argument. Pauschale Abwertungen, dargestellt wie im Begriff „Unsinn“, ist nicht Teil meiner Streitkultur. Heute stelle ich wieder einen Aufreger für Sie ins Netzt.

      Bleiben Sie gesund und viele Grüße

      C. Bluck

      Antworten

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